Newsletter vom 4. Mai 2015

Liebe Leserinnen und Leser!

EVM veröffentlicht Windmessergebnisse. Die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) hat sich in einer Pressemitteilung zu den Messergebnissen ihres Windmessmastes am Asberg geäußert. Die veröffentlichten Daten beschränken sich auf einen Satz: „Im Durchschnitt bläst der Wind mit über sechs Metern pro Sekunde auf dem Asberg.“ Gegenüber Pro Naturpark Pur hat EVM-Sprecher Christian Schröder deutlich gemacht, dass die EVM weitere Ergebnisse nicht veröffentlichen wird. Grund: Der Windpark am Asberg sei ohnehin das am heftigsten umstrittene Projekt dieser Art der EVM und das Unternehmen wolle sich nicht erneut einer Diskussion mit echten und selbsternannten Windkraftfachleuten aussetzen. Sowohl das veröffentlichte Ergebnis als auch die Reaktion des Unternehmenssprechers sind höchst aufschlussreich:

  • Der genannte Durchschnittswert ergibt sich nicht aus den maximal verbleibenden fünf Windradstandorten. Er ergibt sich vielmehr aus einer Berechnung aller möglichen Standorte am 
    Asberg, also auch der windhöffigen Gipfellagen, die u. a. wegen des Uhus nicht bebaut werden dürfen. Eine durchschnittliche Windhöffigkeit von über sechs Metern pro Sekunde erreicht die EVM also nur, wenn sie irgendwann auch die Höhenlagen des Asbergs mit Windräder bebauen darf. Wer jetzt noch glaubt, die EVM gebe sich mit 3 oder 5 Windrädern zufrieden, der ist naiv.
  • Der nachhaltige Protest der Bürger gegen die Planungen zeigt bei der EVM Wirkung. Es ist deshalb wichtig, dem Unternehmen immer wieder zu verdeutlichen, was die Mehrheit der Stromkunden von einem Windpark am Asberg hält.

Windparkpacht saniert keine Gemeindefinanzen. Dass sich die Einnahmesituation der Ortsgemeinden Rheinbreitbach und Unkel durch die Windparkpachten um weniger als 0,5% verbessert, wissen wir schon lange. Nun meldet sich zu diesem Thema auch die Erpeler Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer mit ungewohnten Tönen zu Wort. Auf die Frage der Bonner Rundschau zu den finanzielle „Segnungen“ der Windparkpacht antwortete sie in einem Interview„Wir waren mit unseren Erwartungen hinsichtlich der Finanzquelle Windpark stets zurückhaltend, auch was die Verbesserung der Haushaltslage der Gemeinde betrifft. Natürlich wäre es sehr schön gewesen, aber Gutachten haben Vorrang. Unsere Enttäuschung hält sich also in Grenzen. Jetzt heißt es, den Ausgang abzuwarten.“ Schön, dass auch Frau Adenauer es zugibt: Haushaltssanierung durch Windenergie funktioniert in der VG Unkel nicht.

Deutschland braucht keine Windparks an zweitklassigen Standorten. Auf der Hannovermesse 2015 sagte Bundeskanzlerin Merkel zum Thema Energiewende: „Deutschland macht derzeit bei der schnellen Umstellung der Energieversorgung eine „Lernerfahrung“. Wir sind im Augenblick in einer kritischen Phase, in der der Anteil erneuerbarer Energien aus der Nische heraus zur Hauptsäule unserer Energieversorgung geworden ist.“ Das heißt nichts anderes, als dass Netzausbau und Finanzierbarkeit mit dem Tempo des Zubaus der Windenergie an Land nicht mithalten können. Damit macht die Bundeskanzlerin klar, dass die Energiewende nicht auf konfliktträchtige Windparks an zweitklassigen Standorten angewiesen ist. Und genau zu dieser Kategorie würde ein Windpark am Asberg gehören.

Nächste Entscheidung des Verbandsgemeinderats im Sommer. Es ist jetzt schon über zwei Jahre her, dass das Vorranggebiet Windenergie am Asberg in die so genannte erste Offenlage ging. Bürger, Verbände und Nachbargemeinden hatten Anfang 2013 rund vier Wochen die Möglichkeit, die Pläne der Verbandsgemeinde Unkel (VG) erstmalig zu kommentieren. Wichtigstes Ergebnis: Es mussten zusätzliche Gutachten erstellt werden, die die VG seit Sommer 2014 sukzessive vorgelegt hat. Im Sommer 2015 ist der VG-Rat erneut am Zug. Dann wird er sich endlich mit den mittlerweile über zwei Jahre alten Kommentaren der Bürger, Verbände und Nachbargemeinden sowie den Gutachten auseinandersetzen. Mit großer Sicherheit wird er das Vorranggebiet um die Bereiche verkleinern, die die Gutachter der VG für nicht windradtauglich halten. Gut beraten wäre er zudem, sich der Empfehlung von VG-Bürgermeister Karsten Fehr anzuschließen und bereits jetzt auch die in der Nähe des „Auge Gottes“ gelegenen Flächen aus der Planung zu nehmen. Hier sollen zwei der maximal verbleibenden fünf Windräder postiert werden. Wenn der VG-Rat Flächen in der Planung lässt, kommt es zu einer zweiten Offenlage, die Bürgern, Verbänden und Nachbargemeinden erneut die Möglichkeit bietet, Argumente gegen den Windpark vorzubringen. 

 

Beste Grüße

Pro Naturpark Pur